Zombie-Story:Der Hunger

 

Jacob schreckte aus dem Schlaf hoch und spähte die Umgebung aus. Der Mond war von einer dünnen Wolkenschicht umgeben, die gerade soviel Licht durch liess dass der junge Mann erkennen konnte wo er war. Auf einem Friedhof. Der Boden war nass vom letzten Regen und hinter sich konnte er ein grosses Loch im Boden erkennen. Langsam erhob Jakob sich, aber irgendwas war hier falsch. Seine Gedanken waren unklar, als hätte sich sein Hirn in einem dicken Nebel verlaufen. Er schüttelte den Kopf um seine Gedanken zu klären und eine Erinnerung zu wecken.

 

Er erinnerte sich an seine Familie, arm und von niederem Stand, die löchrige Hütte am Rand des Landes eines wohlhabenden Barons. Sein Vater war von der täglichen harten Arbeit auf den Feldern, um den ständig steigenden Steuern des Barons nachzukommen, krank geworden. Er erinnerte sich an seines' Vaters Begräbnis und an den besorgten Blick seiner Mutter immer wenn sie von der Zukunft sprachen. Die Erinnerung das seine Schwester von der Wache des Barons mitgenommen wurde um in dessen Küche zu arbeiten, weil sie mit den Steuern nicht mehr nachkamen, zog an ihm vorüber. Er erinnerte sich an seinen Zorn von diesem Tag und wie sehr er sich wönschte seine Familie aus dem Griff des Braons zu befreien.

 

Ein stechender Schmerz in seinem Magen lenke Jakob von seinen Gedanken ab und er bemerkte das er hungrig war. Sehr hungrig. Sein Magen hatte sich noch nie leerer angefühlt. Aber nicht nur sein Magen, jeder einzelne Teil seines Wesens hungerte. Es war ein unnatürlicher, ein Hunger der sich beinahe böse anfühlte. Jakob sah sich um, um wieder zu versuchen seine Orientierung zu finden und herauszubekommen wie er auf den Friedhof gekommen war. Er senkte den Kopf und sah in eine Pfütze die der letze Regen zurückgelassen hatte. Er konnte nich viel erkennen, aber als die Wolken sich ein wenig lichteten um grade genug Mondlicht durchzulassen, sah Jakob den Grund für seine Hungersnot.

 

 

Sein einst hübsches Gesicht war verzerrt und seine Haut war grau. Seine Augen waren blutunterlaufen und leer, und er sah Wunden und Löcher in seinen Wangen und der Stirn, wo einst dichtes Haar wuchs waren nur einige Stränen geblieben.

 

Er war ein Zombie.

 

Die Erkenntnis durchwanderte Jakobs Kopf zugleich mit tausend anderen Gedanken, als ob sein Geist langsam auseinander gerissen würde. Er schrie auf vor Schmerz, oder eigentlich versuchte er es mehr. Anstatt des Entsetzensschreies, welchen sein Herz ihm diktierte, brachte er nur ein lautes Stöhnen zustande, gefolgt von einem intensiven Hustenanfall welcher ihn in die Knie zwang.

 

Jakob schlug die Hände vor's Gesicht als sich sein Geist mehr und mehr entfernte. Er versuchte sich zu erinnern, wie er so geworden war, aber der Hunger schien die Kontrolle über sein Denken zu übernehmen. Es wurde für Jakob schwerer sich zu konzentrieren und an einem Gedanken festzuhalten, Erinnerungen tanzten in seinem Kopf herum, leuchteten auf und erloschen wieder, wie die Glühwürmchen die er in seiner Kindheit gefangen hatte. Seine Gedanken richteten sich auf einen Mann, schwarz gekleidet, welcher ihm angeboten hatte seiner Familie aus der Armut zu helfen. Dunkle Pläne und böse Absichten füllten seinen Kopf als er sich an ein Messer erinnerte, in Blut getränkt, und eine Leiche am Boden eines aristokratischen Wohnraumes. Er hatte den Barom ermordet! Sein Geist fokussierte sich wieder auf den Mann in Schwarz. Er konnte das meckernde Lachen des Mannes hören, und das letze woran er sich erinnern konnte war grüner Rauch der von dem Mann aufstieg und dann erdrückende Dunkelheit.

 

 

Seine Hände noch immer vorm Gesicht schloss Jakob seine Augen und versuchte sich zu konzentrieren. Er konnte das nicht passieren lassen; er musste es irgendwie bekämpfen. Er versuchte sich an mehr aus seinem Leben zu erinnern, aber die Erinnerungen wurden immer unklarer, sie überschnitten sich immer mehr bis er keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Als der Zombie am Boden knieend, wankend und leise stöhnend fühlte er Feuchtigkeit in seinen Händen und plötzlich wurden seine Gedanken ausgesprochen klar.

 

"Tränen?", dachte er.

 

Ein kleiner Hoffnungschimmer trat in die Gedanken des Zombies als er für einen Augenblick dachte das seine Menschlichkeit ihn nicht vollständig verlassen hatte. Wenn er es versuchte würde vielleicht eine kleine Chance bestehen. Als Jakob die Hände vom Gesicht nahm sah er kleine Wellen in den Pfützen vor sich.

 

"Es ist nur Regen", war des Zombies letzter, hoffnungsloser Gedanke bevor der Hunger ihn vollständig auffrass. Er taumelte aus dem Friedhof auf die Stadt Rule zu. Es war Fressenszeit.


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